Geschichte

Lechstedt im Spiegel der Jahrhunderte

Der Ortsname weist in seinem Grundwort stide (auch stede) auf eine charakteristische Randlage an Höhenzügen hin. Er ist in unterschiedlicher Schreibweise überliefert, z. B.: 1175 Lecstide, 1240 Locstide, 1242 Lechstide, 1301 Lacstede, 1398 Lexstede, 1459 Leixsteide (aber auch Lestide und Lostide). 

Dr. Johann Stopler, Kanzler des welfischen Herzogs Heinrich d. Jg. von Braunschweig, erhielt für seine Verdienste 1553 Lechstedt, Binder und Wehrstedt als Lehen. Seine Nachkommen wurden später geadelt. 1816 erlosch das Geschlecht mit dem Tod des Baron Friedrich Wilhelm Leopold von Stopler am 5. Juni 1816 zwischen 5 und 6 Uhr; der in der Kirche zu Binder beerdigt wurde, wie Pastor Rindelmann ins Kirchenbuch von Lechstedt schrieb.

Wappen Lechstedt
Wappen Lechstedt

Das Ortswappen zeigt eine goldene Mondsichel – nach unten geöffnet – über einer silbernen Rose auf rotem Grund. Es ist aus dem Wappen der Familie von Stopler entstanden, in dem sich ursprünglich die Mondsichel über einer roten Rose im blauen Schild nach oben öffnet. 1721 trägt das Wappen von Johann Friedrich Leopold von Stopler die nach unten geöffnete Mondsichel.

Dieses Familienwappen befindet sich über der Kirchentür und das Lechstedter Ortswappen, aus Schiefer gefertigt, oben an der ehemaligen Brinkmannschen Scheune.

 

 

 

Aus der Orts-Chronik: 

Im 6. Jahrhundert taucht das Wort stide auf. Ausgrabungen und Sagen deuten daraufhin, dass Lechstedt evtl. schon nach Einwanderung der Sachsen hier entstanden ist.

1175 Bischof Adelog von Hildesheim schenkt Gräfin Adelheid, der Witwe des Konrad von Wassel, einen Hof, 23 Hufen Land und den „kleinen Zehnten“ von Lecstide. Später übernehmen die Grafen von Hallermunt (in Halle/Saale residierendes Geschlecht der Markgrafen von Landsberg) diesen Besitz.

1230 Graf Ludolf von Hallermunt überlässt dem Liten [ein höriger Knecht] Heinrich von Lechstide das Dorf. 

1242 Theodorich von Lechstide, ebenfalls noch Lite, wird Ritter und ist wahrscheinlich Stammvater einer Adelsfamilie von Lechstedt, die später jedoch keine größere Bedeutung erlangt. 

1301 Das Domkapitel von Hildesheim, bis 1609 Eigentümer von Lechstedter Ländereien, übergibt einen Hof und Land in Lacstede dem Eckehardt, einem Liten des Kreuzstiftes. Später werden andere Grundstücke mit diesem zu einer Kurie [Amt] vereinigt. 

1318 Magnus d. Ältere von Braunschweig erwirbt Teile von Lechstedt durch Vermählung mit Agnes von Landsberg.

1368 Zwischen dem 14. März und 30. Mai verfasst der Rat der Stadt Hildesheim ein Einladungsschreiben an drei Ritter zu einer Zusammenkunft bei der Queneburg oberhalb von Lechstedt, an der höchsten Stelle des Geländes.

1398 Das Rittergeschlecht von der Linde aus Westerlinde bei Lichtenberg erwirbt Güter in Lexstede. 

1459 Das Hildesheimer Domkapitel belehnt Dietrich von der Linde mit einem Viertel des Leixsteider Domkapitelbesitzes.

1485 Die Kriegsscharen des Bischofs Berthold und des Herzogs Heinrich von Lüneburg stürzen in der großen Fehde die städtischen Wachtürme auf dem Galgenberg und dem Knebel. Außerdem zerstören sie die Queneburg des Dorfes Lechstedt, eine vorgeschobene Palisadenfestung im Gehölz Querburg, die zur Befestigungslinie Hildesheimer Landwehr gehörte.

1498 Das Hildesheimer Domkapitel belehnt mit einem weiteren Viertel seines Lechstedter Besitzes Hermann von der Linde und mit der zweiten Hälfte Dietrich vom Berge.

1523 Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) zwischen dem Hildesheimer Hochstift und den welfischen Fürstentümern Braunschweig-Wolfenbüttel und Calenberg. Lechstedt geht an den Herzog von Braunschweig.

1553 In der Schlacht von Sievershausen am 9.7.1553 fällt Jobst von der Linde, letzter seines Geschlechts in Lechstedt und Vasall des Herzogs von Braunschweig. Herzog Heinrich d. Jg. von Braunschweig gibt seinem Kanzler Dr. Johann Stopler als Dank für seine Verdienste den Besitz der von der Linde in Lechstedt sowie die Güter Binder und Wehrstedt als Lehen. Stoplers Nachkommen werden später in den Adelsstand erhoben.

1556 Die Witwe des Kanzlers Stopler, Magdalene von Gremsleben, führt die Reformation im Ort ein. Lechstedt wird eines der ersten protestantischen Dörfer in diesem Raum.

1568 Lechstedt löst sich aus dem Pfarrverbund mit Itzum.

1643 Gegen Ende des dreißigjährigen Krieges: Lechstedt fällt wieder an das Fürstbistum Hildesheim zurück. Als Junkerndorf der Herren von Stopler bewahrt es sich allerdings gegenüber den so genannten Amtsdörfern und den ganz gewöhnlichen Dörfern seine selbständige Stellung mit eigener Gerichtsbarkeit über Tod und Leben am Thie (westlich des alten Forsthauses). Lechstedts Bewohner sind dienstverpflichtet.

1711 Die alte Kirche und das alte Pfarrhaus fallen mit allen Kirchenbüchern und Akten einem großen Brand zum Opfer. Erhalten blieben nur eine vollständige Pfarrerliste seit 1620 und eine unvollständige seit der Reformation; außerdem das Taufbecken von 1660, die alte Glocke von 1684 und der wahrscheinlich in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg entstandene Kronleuchter mit dem damals gültigen zweiköpfigen deutschen Reichsadler.

1721 Johann Friedrich Leopold von Stopler und seine Gattin Anna Ilsa von Guldenfeld lassen auf den Grundmauern der abgebrannten alten eine neue Kirche errichten, im norddeutsch-barocken Stil. Sie steht heute noch. Die meisten Kunstgegenstände der Lechstedter Kirche stammen aus dieser Zeit: Der Taufengel ist ein Schnitzwerk von 1721. Der Barock-Altar wurde ebenfalls 1721 angefertigt, einschließlich des geschnitzten Holzpultes und der zwei betenden Engel. Die beiden Altarleuchten, mit Messing versilbert, tragen die Jahreszahl 1725.

1757–1776 Lechstedt ist Pächter der Obedienz Walshausen [ein Gut, dessen Einkünfte dem Domkapitel zufließen]. Unter dem Obedientar Levin Stephan Wilhelm von Wenge (der die Pfründe erhielt) ist Lechstedt verpflichtet, einen Schäfer einzustellen, der in Walshausen wohnt und den Küchengarten sauber und reine halten muss. Die Fischerei in der Innerste und die Jagdrechte sind von der Verpachtung ausgeschlossen, ebenfalls die Teiche im Garten. Von der Obsternte reserviert sich von Wenge die Hälfte. 

1802 Aufhebung des Fürstbistums Hildesheim und Beendigung des Vorrechts als Junkerndorf. Vorübergehend gehört Lechstedt zu Preußen, danach zum napoleonischen Königreich Westfalen und später zum Königreich Hannover, Amt Marienburg.

1816 Mit dem Tod des Friedrich Wilhelm Leopold von Stopler erlischt das Geschlecht. Rechtsnachfolgerin für das Lehen wird bis 1853 die Hannoversche Klosterkammer.

1853 Das einstige Herrenhaus der von Stopler wird an das Königreich Hannover verkauft, das darin bis 1963 eine Oberförsterei einrichtet. Aus dieser Zeit resultiert die Bezeichnung „altes Forsthaus“.

1866 Lechstedt gehört nun zur Provinz Hannover im Staate Preußen, nachdem das Königshaus Hannover seine Selbständigkeit verloren hat.

1883 Am 10.11.1883, dem 400-jährigen Geburtstag Luthers, pflanzt der Kirchenvorstand (Pfarrer Münchmeyer und die Bauern Brinkmann, Müller, Bartels und Ossenkop sowie Lehrer Stukenbrock) eine Lutherlinde vor die Kirche, die von Frau Helene Schulze, Mutter der ehemaligen Wirtin der Obstweinschänke Johanna Meyer, gepflegt wird, sodass sie „schlimme Dinge (Abschneiden der Äste durch böse Buben, Zersägen der Wurzeln bei Tiefbauarbeiten und orkanartige Stürme)“ übersteht.

1946 Lechstedt gehört jetzt zum Landkreis Hildesheim (früher Hildesheim-Marienburg).

1950 ff. Erschließung der Baugebiete Hofkamp und Ortsfeld.

1955 Lechstedt wird per Druckerhöhungsstation (neben der Mühle) an die Wasserleitung vom Hochdruckbehälter bei Egenstedt angeschlossen. Damit war die Versorgung aus den drei Dorfbrunnen (Kinderbrunnen, Pfingstanger- und Hellebrunnen), die das tägliche Leben bestimmt hatten, Geschichte geworden. Diese kleine Revolution wurde am 24.9.1955 mit dem Wasserfest gefeiert.

1970 ff. Beginn der Bebauung der Baugebiete Waldstraße und Alter Kampweg. 

1970 Ende des Jahres wird die Lechstedter Schule geschlossen. Ab Januar 1971 gehen die Kinder in die Heinder Grundschule.

1974 Durch die Verwaltungs- und Gebietsreform ist Lechstedt seit dem 1.3.1974 der nördlichste von 13 Ortsteilen der Stadt Bad Salzdetfurth geworden.

1975 800-Jahr-Feier des Dorfes. Vom 7.-14.9.1975 Festwoche mit umfangreichem Programm, zahlreichen – auch prominenten – Gästen und einem von den Medien viel beachteten historischen Umzug.

1992 Erschließung des Neubaugebietes Am Schöneberg. 

1992–2001 Dorferneuerung. Investitionssummen: öffentlich 1.385.145 DM, privat 1.785.066 DM.

1994 Erschließung des Neubaugebietes Am Helleweg (alte Gemarkungsbezeichnung: Am Hundegraben).

1996 Anschluss an das Erdgasversorgungsnetz.

2005 Lechstedt nimmt erstmals am Kreiswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft teil und gewinnt den 3. Platz. Beginn der Planungen für ein neues Baugebiet Hofkamp-West. 

2007 Am 18.01.2007 fällt während des Orkans „Kyrill“ die Linde vor der Kirche. Die 123 Jahre alte Lutherlinde war 1883 vom damaligen Kirchenvorstand gepflanzt worden. Am 10.3.2007 setzen die Herren Arnd und Heinrich Harnischmacher zusammen mit Herrn Strüvy-Riecken zwei neue Linden: eine eben an diese Stelle vor die Kirche und eine an den Eckplatz, wo bereits 2005 die alte Linde umgefallen war. Beide Bäume wurden – mit Zustimmung des Forstamtes – im „Kemmer Holz“ ausgesucht.

2008 Verkauf des leer stehenden Pfarrhauses, seitdem in Privatbesitz.

2009 ff. Der erste Spatenstich für die Erschließung des Neubaugebietes Hofkamp-West erfolgt am 5.5.2009. Die Straße Pfingstanger wird nach dem Pfingstangerbrunnen benannt.

2010 Verkauf des Hofes Karl-Heinz Müller, danach Umbau und Neubebauung.

2011 Vollständige Restaurierung der Lechstedter Kirche mit Erneuerung der Außenfassade.

2012 Einrichtung einer Boulebahn im Pfarrgarten.

2013 Verlegung einer neuen 4 km langen Wasserleitung vom Hochbehälter Spitzhut.

2014 Rücktritt des Ortsbürgermeisters Peter Ossenkop nach 27 Jahren, Gudrun Krone übernimmt das Amt an der Spitze des Ortsrates als erste Frau.

2015  Peter Ossenkop wird am 26.11.2015 Ehrenortsbürgermeister von Lechstedt. Die Stadt Bad Salzdetfurth verleiht ihm diese Ehrenbezeichnung für seine 39-jährige Tätigkeit im Ortsrat und seinen vorbildlichen und uneigennützigen Einsatz als Ortsbürgermeister (von 1987 bis 2014) zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger der Ortschaft Lechstedt. Gudrun Krone überreicht ihm die Urkunde.

2016 In der konstituierenden Sitzung des Ortsrats am 17. November 2016 wird Volker Klare zum Ortsbürgermeister und Gudrun Krone zur stellvertretenden Ortsbürgermeisterin durch den Ortsrat mit den Mitgliedern Margret Schütte, Thomas Meyer und Hartmut Wilde gewählt.

 

Diese gekürzte Fassung basiert – z. T. auch im Wortlaut – auf der Ortschronik von Pastor Kornitzky, dessen grundlegende Arbeit als erster Ortsheimatpfleger von Lechstedt hiermit gewürdigt wird. Ergänzt und aktualisiert im November 2016

Astrid Riemann, Ortsheimatpflegerin